Haltung von europäischen Landschildkröten

Für alle Landschildkröten sollte die Möglichkeit der Unterbringung im Zimmerterrarium bestehen. Ungünstige Witterungsperioden, wie sie in unseren Breiten vor allem im Frühjahr und Herbst auftreten, werden hier unbeschadet überstanden. Auch eine ganzjährige Haltung im Innenterrarium ist, bei entsprechender Einrichtung der Anlage, ohne weiteres möglich. Die Größe des Terrariums richtet sich nach der Größe und Anzahl der unterzubringenden Pfleglinge sowie danach ob die Schildkröten nur in den Frühjahrs- und Herbstmonaten oder aber ganzjährig hier leben sollen. Für die Haltung von 2 Jungtieren in den ersten 2-3 Lebensjahren kann eine Terrariengrundfläche von 100 x 50 cm zur Orientierung für eine optimale Unterbringung dienen. Während es nicht sinnvoll ist, Schildkrötenbabys in zu großen Terrarien zu halten, muß nach dem Heranwachsen der Tiere natürlich der Bau eines größeren Terrariums eingeplant werden. Die vom Referat für Tierschutz des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten herausgegeben „Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien“ legen die absoluten Untergrenzen der Terrarienabmessungen für die artgerechte Haltung unserer Landschildkröten fest. Für die Haltung von 2 europäischen Landschildkröten mit einer Plastronlänge (Bauchpanzerlänge) von 20cm werden beispielsweise Mindestabmessungen von 160 x 80 cm gefordert. Bei halbwüchsigen und erwachsenen Tieren sollten wir uns aber beim Bau des Terrariums vom Grundsatz leiten lassen: „Je größer desto besser!“

Zur unbedingt notwendigen Einrichtung des Zimmerterrariums gehört eine leistungsfähige lokale Wärme- und intensive Lichtquelle. Als optimalste Beleuchtungskörper für Schildkrötenterrarien haben sich vor allem HQI- und HQL-Strahler bewährt. Dagegen sind die zur Wohnraumbeleuchtung üblichen Spotstrahler und Halogenlampen nur bedingt zum Einsatz im Terrarium geeignet, da die von solchen Strahlern abgegebene Lichtintensität deutlich zu gering ist. Lediglich als ergänzende Wärmestrahler können solche Lampen eingesetzt werden. Der Einsatz von Infrarot- oder Keramikheizstrahlern ist dagegen ebenso kategorisch abzulehnen wie die Verwendung von Bodenheizungen (Heizmatten, Heizkabel) im Schildkrötenterrarium!

Die Schildkröten sollten tagsüber die Möglichkeit haben, zwischen Temperaturzonen von ca. 22° - 25°C an der kältesten Stelle des Terrariums und 40° - 45°C unter den Strahlen zu wählen. Nachts soll die Terrarientemperatur auf 16 - 22 ° C absinken.

Insbesondere bei ganzjähriger Zimmerhaltung ist regelmäßige UV-Bestrahlung wichtig. Nur mit Hilfe ausreichend intensiver ultravioletter Bestrahlung im Wellenlängenbereich um 295 nm (UVB-Strahlung) sind die Tiere in der Lage die für ein gesundes Panzer- und Knochenwachstum benötigte Menge an Vitamin D3 selbst zu synthetisieren. Während bei Freilandhaltung im Sommer natürliches Sonnenlicht ausreichend UVB-Strahlung liefert, müssen im Innenterrarium die entsprechenden technischen Vorkehrungen getroffen werden. Grundsätzlich stehen heute 3 unterschiedliche Lampenkategorien zur UVB-Bestrahlung von Reptilien zur Verfügung:

  1. OSRAM-Ultra-Vitalux® ; RADIUM-Sanolux®
    sehr effektive UVB-Strahler zur Kurzzeitbestrahlung (2x tägl. ½ Stunde, Abstand 0,5 1m, langsame Gewöhnung über 2-3 Wochen)
  2. Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen mit UVB-Anteil
    (ARCADIA D3 Reptile Lamp®, ZOOMED Reptisun®, HOBBY UV Compact®, EUROZOO Terrasun CL®)
    UVB-Strahlung geringer Leistung, zur ergänzenden Ganztagsbeleuchtung, möglichst geringer Abstand zu den Tieren
  3. kombinierte Licht- Wärme- und UVB-Strahler
    (T-REX Active-UV-Heat®; HOBBY UV Sun Lux®)
    leistungsfähige Strahler zur Ganztagsbestrahlung, Abstand zum Tier nach Herstellerangabe 20 – 50cm

Grundsätzlich ist es sinnvoll in einem Terrarium eine Kombination aus mehreren Strahlern zu verwenden, um Temperatur und Beleuchtungsintensität sowohl tagesperiodisch als auch jahreszeitlich regulieren zu können (z.B.: HQI-Strahler + OSRAM-Ultravitalux® + T-REX-Active-UV-Heat®). Je nach Standort des Terrariums kann es sinnvoll sein einen Spotstrahler als zusätzliche Wärmequelle oder aber auch eine UVB-Energiesparlampe als Zusatzbeleuchtung mit geringer Wärmeproduktion zu installieren.

 

Ein geeigneter Bodengrund, flache Tränk- und Futterschalen sowie Versteckplätze ( Rinde, Wurzeln, Grasbüschel etc. ) vervollständigen die Einrichtung des Landschildkrötenterrariums. Größere Steine sollten vermieden werden, da sie häufig Anlaß für Panzerverletzungen sind.

Der Bodengrund sollte trocken sein und wird nur im Bereich der Versteckplätze etwas feucht gehalten. In ihrer Heimat bewohnen europäische Landschildkröten einen mehr oder weniger sandigen Boden. Im Terrarium verwenden wir deshalb groben Sand (Flusssand oder gewaschener Sand wie er beim Bau verwandt wird, „Estrichkies Körnung 0-8mm“). Saubere Gartenerde kann insbesondere im Gemisch mit Sand ebenfalls verwendet werden.

Gänzlich ungeeignet sind feiner Quarzsand, Kleintierstreu (Hobelspäne), Torf und Pinienrinde. Die Aufnahme von feinem Quarzsand oder Hobelspänen mit der Nahrung kann zu lebensbedrohlichen Anschoppungen im Verdauungstrakt der Tiere führen. Daneben ist feiner Quarzsand oft Anlaß für Irritationen der Augen und der Atemwege. Torf, Pinienrinde und ähnliche Materialien geben im trockenen Zustand einen sehr feinen Staub ab, welcher häufig Anlaß für Erkrankungen der Atemwege ist.

Jedes Zimmerterrarien benötigt eine ausreichende Lüftung. In ringsum geschlossenen Terrarien sollte eine Seitenwand sowie die Abdeckung ein entsprechendes Lüftungsgitter besitzen.

Prinzipiell können Landschildkröten auch in oben vollständig offenen Terrarien gehalten werden. Eine Seitenlüftung ist dann unnötig. Zu bedenken ist lediglich der höhere Energieaufwand zur Beheizung eines solchen Terrariums.

Während der warmen (frostfreien) Jahreszeit, etwa von Ende Mai bis Mitte September, ist ein Aufenthalt im Freilandterrarium möglich. Solche Anlagen sollten eine der Größe der Schildkröten angepaßte Einfriedung besitzen, wobei nicht vergessen werden darf, daß Schildkröten auch graben. Als Richtwert für die sichere Umzäunung einer Freianlage für ausgewachsene europäische Landschildkröten kann eine 35 cm hohe Begrenzung, welche zudem 25 cm in den Boden eingelassen ist, gelten. Freigehege für Jungtiere sollten zudem mit Maschendraht oder ähnlichen abgedeckt werden, um die Tiere vor Vögeln, Katzen, Mardern und anderen Raubfeinden schützen. Grundsätzlich muß den Schildkröten im Freiland ein vor schlechter Witterung geschützter Bereich zur Verfügung stehen. Ideal sind Gewächshäuser oder ähnliche bauliche Einrichtungen, welche es ermöglichen, die Tiere auch während kühler, feuchter Witterungsperioden ganztägig im Freien zu halten.

Es ist nicht sinnvoll europäische Landschildkröten bei gutem Wetter jeden morgen ins Freiland zu bringen und abends wieder ins Zimmer zu holen. Ein normales tagesperiodisches Verhalten der Tiere wie auch eine Gewöhnung an ihren Lebensraum wird durch ein solches Vorgehen unmöglich. Hat man sich für eine Freilandhaltung entschieden, dann sollte die Freianlage so beschaffen sein, daß die Tiere während der gesamten Sommersaison draußen bleiben können.